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Biografie


Die Vita Tina Blaus wurde bereits im Rahmen der Ausstellungen im Belvedere 1971 und im Jüdischen Museum der Stadt Wien 1996 eingehend erforscht. Im Zuge dessen publizierte biografische Beiträge von Heinz Schöny, Zdrawka Ebenstein, Annelie Roser-De Palma und Tobias Natter wurden daher als Grundlagen für die folgende Zusammenstellung verwendet.[1] Ergänzend wurden die im Archiv des Belvedere und im Tina-Blau-Archiv vorhandenen Kopien der erhaltenen Tagebücher und Briefe Tina Blaus sowie die in der Handschriftensammlung der Österreichischen Nationalbibliothek und der Wien Bibliothek im Rathaus erhaltene Korrespondenz herangezogen.

1845
Am 15. November wird Regina Leopoldine Blau in der Kaserne am Heumarkt 27 im 3. Wiener Gemeindebezirk geboren. Ihr aus Prag stammender Vater Simon Blau dient als Militärarzt in der Heumarktkaserne und bewohnt darin mit seiner Familie eine Dienstwohnung. Wenige Jahre später verlegt sich der Vater auf die Zahnmedizin und zieht mit der Familie in eine Wohnung mit Praxis in der Wipplingerstraße. Tinas älterer Bruder Theodor (1844–1934) wird wie sein Vater Zahnarzt, die jüngere Schwester Flora (1847–1930) heiratet ebenfalls einen Arzt.

1859
Erster Unterricht durch den Waldmüller-Schüler Antal Hanély. Es entstehen mehrere Stillleben.

1860/61
Tina Blau erhält Unterricht von August Schaeffer. 1861 begleitet sie ihren Vater auf einer Reise nach Brandeis an der Elbe, nördlich von Prag, wo sie erste Landschaften malt. Die Bilder entstehen bereits en plein air, direkt vor dem Motiv.

1862
Tina Blau begleitet ihren Vater auf einer Reise nach Kronstadt in Siebenbürgen. Auf der Reise entstehen zahlreiche Bilder und Studien.

1865
Tina Blau vollendet ihr erstes großes Gemälde nach Studien von der Reise nach Siebenbürgen. Sie stellt das Bild jedoch noch nicht öffentlich aus. In den Sommermonaten reist Tina Blau für einen Studienaufenthalt allein nach Naßwald an der Rax, wo der Maler Josef Aigner auf sie aufmerksam wird. Sie arbeitet in seinem Atelier und besucht im Winter seine Malschule.

1867
Auf Drängen Aigners stellt Tina Blau erstmals ein Gemälde im Wiener Kunstverein aus. Die ersten Kritiken sind durchaus positiv. Es entstehen erste Studien im Prater. Im Sommer malt sie in Lundenburg an der Thaya.

1868
Tina Blau zeigt in der Eröffnungsausstellung des Wiener Künstlerhauses ein bisher nicht identifiziertes Gemälde. Im Sommer durchstreift sie das Salzkammergut und das Innviertel. Weiters entstehen mehrere Bilder in der Umgebung von Mödling bei Wien.

1869
Tina Blau stellt in der ersten Internationalen Kunstausstellung im Wiener Künstlerhaus das Gemälde Kalkofen bei Abendbeleuchtung aus. Das Bild findet einen Käufer. Mit dem Erlös reist Tina Blau nach München zur I. Internationalen Ausstellung im Glaspalast. Sie beschließt, in München zu bleiben, und nimmt privaten Unterricht bei Prof. Wilhelm Lindenschmit d. J. Im Herbst entstehen zahlreiche Studien und Gemälde in Polling bei Weilheim. Aus der Weihnachtsausstellung des Münchner Kunstvereins verkauft sie das Bild Jakobsee bei Polling.

1870/71
Im Frühling und im Herbst entstehen zahlreiche Bilder in der Umgebung Münchens. Die Sommermonate verbringt Tina Blau in Wien.

1872
Weitere Studien in der Umgebung von München. Im Sommer malt Tina Blau die Arbeiten an der Donauregulierung im Prater und bei Haslau, Fischamend und Maria Ellend. Dort trifft sie auf Emil Jakob Schindler, Eugen Jettel, Franz Rumpler, Eduard Charlemont und Julius Viktor Berger.

1873
Teilnahme an der Wiener Weltausstellung mit Bildern von der Donauregulierung. Mit Schindler unternimmt Tina Blau eine erste Reise nach Szolnok an der Theiß, wo sie sich im Anschluss an die Arbeiten Pettenkofens mit den malerischen Möglichkeiten der Pusztalandschaft und des Ortes beschäftigt. Im Herbst Aufenthalt in München. Aufgrund einer Choleraepidemie rufen sie die Eltern im Winter aus München zurück. Sie beendet damit ihr Studium bei Lindenschmit.

1874
Schindler teilt mit Tina Blau sein Atelier in der Mayerhofgasse. Zweite Reise nach Szolnok. Sie malt in diesem Jahr fast ausschließlich an Motiven von den Ungarnreisen.

1875
Im Sommer malt Tina Blau mit Schindler im Marchfeld. Im August brechen beide zu einer mehrmonatigen Reise in die Niederlande auf. Es entstehen Bilder in Amsterdam, Nieuvendam und Haarlem. Außerdem besuchen Blau und Schindler u. a. Leiden, Zandvoort, Rotterdam, Den Haag, Scheveningen, Zwolle, Amersfoort, Harlingen und Leeuwarden.

1876
Tina Blau malt fast ausschließlich nach Studien von der Hollandreise. Im Winter reist sie nach Venedig, wo sie bis Anfang des nächsten Jahres bleibt.

1877
Tina Blau zieht in das von Schindler im Jahr zuvor angemietete Atelier im Pavillon des Amateurs, einem übrig gebliebenen Gebäude der Weltausstellung 1873 im Prater. In Gemeinschaftsarbeit entsteht ein großes Gemälde mit einer Ansicht aus Amsterdam.

1878
Tina Blau malt nach wie vor fast ausschließlich nach den gut verkäuflichen Motiven ihrer Reisen nach Ungarn, Holland und Venedig. Daneben entstehen bereits wieder Praterlandschaften. Tina Blau beginnt auch wieder, sich mit Blumenstillleben zu beschäftigen.

1879
Im Frühjahr zweite Reise nach Italien, die sie bis nach Neapel führt. Längere Aufenthalte in Venedig und Rom. Emil Jakob Schindler heiratet die Sängerin Anna Bergen und überlässt Tina Blau das Prateratelier. Ein freundschaftlicher Kontakt zu Schindler bleibt jedoch bestehen. Es entstehen die ersten großen Pratergemälde und Bilder aus der Gegend von Bad Fischau bei Wiener Neustadt.

1880
Tina Blau beginnt eine Serie von Studien des Wienflusses bei St. Veit zu fertigen, die sie im Jahr darauf fortsetzt. Am 2. Dezember stirbt ihr Vater.

1881/82
Für das Palais Zierer entstehen mehrere Wand- und Deckengemälde mit Blumenstillleben sowie 16 ebenfalls mit Blumen bemalte Glasscheiben für das Stiegenhaus. Gleichzeitig malt Tina Blau ihr monumentales Hauptwerk Frühling im Prater, das sie schlagartig berühmt macht. Eine Zurückweisung des Bildes durch die Hängekommission der Internationalen Ausstellung im Wiener Künstlerhaus 1882 wegen der zu großen Helligkeit wird erst durch Fürsprache Hans Makarts verhindert. Das Bild wird vom Kunstsammler Friedrich. W. Crone erworben.

1883
Auf Fürsprache des französischen Kultusministers Antonin Proust wird Tina Blau eingeladen, Frühling im Prater und ein Stillleben im Pariser Salon auszustellen. Sie gewinnt dafür eine „Mention honorable“, die einzige Auszeichnung, die auch an ausländische Künstler vergeben wird. Zur Ausstellung reist Tina Blau nach Paris und malt in den Gärten der Tuilerien mehrere Studien.

Im Herbst verlobt sich die inzwischen 38-Jährige mit dem verwitweten Münchner Pferde- und Schlachtenmaler Heinrich Lang (1838–1891), den sie bereits 1869 kurz nach ihrer Ankunft in München kennengelernt hatte. Sie konvertiert dafür am 3. November zum protestantischen Glauben. Die Hochzeit findet am 29. Dezember in Landsberg am Lech statt.

1884
Tina Blau übersiedelt wieder nach München, verbringt jedoch wie gewohnt regelmäßig die Sommermonate in Wien.

1885
Teilnahme an der Weltausstellung in Antwerpen. Im Winter 1885/86 erfolgt eine zweite Reise nach Rom.

1887
Tina Blau wird die erste Lehrerin der neu gegründeten Fächer für Landschafts-, Stillleben- und Blumenmalerei an der seit 1884 bestehenden Damenakademie des Münchner Künstlerinnenvereins. Sie behält diese Lehrverpflichtung bis zu ihrem neuerlichen Umzug nach Wien im Jahr 1894 bei, obwohl sie den hohen zeitlichen Aufwand beklagt.

1887/88
Tina Blau malt eine Reihe von Studien und großen Gemälden in Rothenburg ob der Tauber.

1889
Tina Blau nimmt mit dem Bild Gestürzte Größe an der Weltausstellung in Paris teil und gewinnt eine Bronzemedaille.

1890
Im Münchner Kunstverein findet die erste Kollektivausstellung mit sechzig Werken Tina Blaus statt, die in der Folge als Wanderausstellung durch deutsche Großstädte fortgesetzt wird. In der Presse und in Kunstzeitschriften wird die Ausstellung aufmerksam und durchwegs positiv besprochen.

1891
Heinrich Lang stirbt am 8. Juli im Alter von nur 53 Jahren an Tuberkulose. Nach der kinderlos gebliebenen Ehe geht Tina Blau keine weitere (bekannte) Beziehung mehr ein.

1893
Tina Blau nimmt an der Weltausstellung in Chicago teil und erhält für das Bild Gestürzte Größe eine Goldmedaille. Sie hält sich nach dem Tod ihres Mannes überwiegend in Wien auf. Zunächst wohnt sie offenbar bei ihrer Familie in Heiligenstadt, wo in den folgenden Jahren eine Reihe von Bildern mit Motiven aus Nußdorf, Heiligenstadt, Döbling und Grinzing  entsteht.

1894
Endgültige Rückkehr nach Wien. Auszeichnung mit der Königlich Bayerischen Medaille am Band durch Prinzregent Luitpold. Tina Blau beginnt mit der Arbeit an mehreren Studien und Gemälden im Garten des Belvedere. Am 5. August stirbt ihre Mutter Theresia Blau. Im Winter 1894/95 erster Aufenthalt in Malcesine am Gardasee.

1895/96
Tina Blau malt eine Serie von Ansichten aus Perchtoldsdorf.

1897
Tina Blau malt in Dürnstein ihre ersten Wachauansichten. Für ein heute verschollenes Praterbild gewinnt sie im Wiener Künstlerhaus die Kleine Goldene Staatsmedaille.

1898
Tina Blau lehrt ab Jahresanfang an der kurz zuvor von Adalbert Franz Seligmann und Olga Prager gegründeten Kunstschule für Frauen und Mädchen. Sie leitet bis 1915 den Kurs für Landschafts- und Stilllebenmalerei.

1899
Kollektivausstellung im Kunstsalon Pisko in Wien. Auch das Hauptwerk Frühling im Prater ist Teil der Ausstellung und wird in der Folge von der Kaiserlichen Gemäldegalerie erworben. Im Sommer Reise in die Schweiz, wo sich Tina Blau vor allem in Wengen mit Gebirgsbildern beschäftigt.

1900
Große Kollektivausstellung mit einhundert Werken des Auktionshauses S. Kende in Wien. Teilnahme an der Pariser Weltausstellung. Im Sommer malt Tina Blau etliche Bilder in Taufers und im Ahrntal in Südtirol.

1901
Im Sommer malt Tina Blau im Ötztal.

1902
Tina Blau malt zahlreiche Studien und Bilder in Schladming am Dachstein, in St. Anton am Arlberg und in Malcesine am Gardasee. Zu Ostern hält sich die Künstlerin in Budapest auf.

1903
Zweite Kollektivausstellung im Kunstsalon Pisko in Wien. Aus der Ausstellung wird für die neu gegründete Moderne Galerie im Unteren Belvedere das Bild Krieau im Prater erworben. Erneut hält sich Tina Blau in Schladming auf.

1904
Im Sommer unternimmt Tina Blau eine ausgedehnte Reise nach Norddeutschland und Dänemark. Sie malt in Hamburg, in Kopenhagen und auf Sylt etliche Studien.

1905
Tina Blau malt das große Gemälde An der Weißgerberlände. Im Sommer Reise in die Niederlande, wo sie zahlreiche Gemälde in Dordrecht und Volendam fertigt.

1906
Erneut Reise in die Niederlande, wo sich Tina Blau vor allem in Veere aufhält.

1907
Reise in die Niederlande. Tina Blau bezieht Quartier in Dordrecht, wo zahlreiche Gemälde entstehen.

1908
Letzte Reise in die Niederlande. Tina Blau malt vor allem in Dordrecht und Franeker.

1909
Erste Kollektivausstellung in der Galerie Arnot, Wien, die in der Folge als Wanderausstellung durch Deutschland und Österreich tourt. Auch Kaiser Franz Joseph I. besucht die Ausstellung. Tina Blau malt Motive vom Bau der Wachauerbahn bei Dürnstein.

1910
Erneut längerer Aufenthalt in der Wachau, wo Tina Blau zahlreiche Motive aus Dürnstein und Weißenkirchen malt. Daneben fertigt sie mehrere Ansichten aus der Umgebung ihrer Wohnung in Wien-Erdberg. Sie beteiligt sich an der Gestaltung der Dekoration eines Gschnasfests im Künstlerhaus.

1911
Tina Blau beginnt mit der Arbeit an einer Serie von Studien von der Sandgrube auf der Türkenschanze bei Gersthof.

1912
Im Rahmen einer Ausstellung der Salzburger Künstlergenossenschaft erhält Tina Blau für ihr 1888 entstandenes Gemälde An der Friedhofsmauer die Große Goldene Staatsmedaille. Das Belvedere kauft drei weitere Bilder Tina Blaus an. Im Winter Aufenthalt in Pirano und Venedig.

1913
Im Mai Ausstellung der Galerie Arnot mit 31 Werken, von denen vier Studien durch das Belvedere angekauft werden. Im Sommer erster Aufenthalt im Gasteinertal.

1914
Im Februar und März findet eine weitere große Kollektivausstellung in der Galerie Arnot statt. Tina Blau besucht im Rahmen einer Ausstellung nach vierzig Jahren noch einmal Szolnok.

1915
Tina Blau beendet aus gesundheitlichen Gründen ihre Lehrtätigkeit an der Kunstschule für Frauen und Mädchen. Sie engagiert sich in der Kriegsfürsorge.

1916
Im Herbst malt Tina Blau in Hofgastein eine Reihe von Bildern und Studien. Aufgrund von Herzproblemen bricht sie den Aufenthalt ab und kehrt nach Wien zurück. Sie begibt sich im Sanatorium Elisabethinum in Behandlung, wo sie am 31. Oktober an Herzversagen stirbt.

1917
Nachlassauktion des Auktionshauses C. J. Wawra, Wien, und Gedächtnisausstellung im Künstlerhaus.


Tina Blaus Ausstellungstätigkeit

Die Sichtung von Tina Blaus handschriftlichen Aufzeichnungen bringt eine durchaus bemerkenswerte Ausstellungstätigkeit zutage. Tina Blau war ab 1868 in den meisten großen Ausstellungen in Wien und München vertreten, schickte ihre Bilder aber auch regelmäßig zu kleineren Ausstellungen und Wanderausstellungen durch Deutschland und zum Teil auch europaweit. Zu vielen dieser Ausstellungen sind bisher keine Kataloge nachweisbar, weshalb die handschriftlichen Aufzeichnungen der Künstlerin oft die einzigen Quellen für diese Teilnahmen darstellen.

Tina Blaus erste Ausstellungsbeteiligung fällt in das Jahr 1867, als sie im Wiener Kunstverein das Bild Am Bache zeigte. Sie stellte in der Folge bis 1880 vereinzelt Werke im Kunstverein aus, obwohl nach dessen Gründung 1868 das Künstlerhaus zu ihrem bevorzugten Ausstellungsort in Wien wurde. Wichtiger als der Wiener Kunstverein war besonders in den frühen Jahren der Münchner Kunstverein. Dort wurden für die jährlich stattfindenden Verlosungen regelmäßig Werke von ihr angekauft, was ihr in den ersten Jahren ein wichtiges Einkommen verschaffte. Bilder, die sie zu den großen Ausstellungen im Münchner Glaspalast einsandte, waren häufig auch zuvor oder danach im Kunstverein ausgestellt. Zudem fand hier im Jahr 1890 ihre erste Kollektivausstellung mit sechzig Werken statt, und auch die späteren Wanderausstellungen machten fast ausnahmslos im Münchner Kunstverein Station. Mit den Kollektiv- und Wanderausstellungen fand Tina Blau ab 1890 zu neuen Möglichkeiten, ihre Bilder zu vermarkten. Auf die erste Station folgten weitere kurze Ausstellungen in Kunstvereinen und Galerien großer deutscher und österreichischer Städte, die sich häufig über die nächsten Jahre hinzogen. Tina Blaus Werke waren damit in einer gewissen Regelmäßigkeit überregional präsent. Auf die Münchner Kollektivausstellung folgten z. B. Stationen in Breslau, Bremen, Düsseldorf, Köln, Frankfurt am Main, Stuttgart, Leipzig und Dresden. Zu diesen Ausstellungen konnte bisher kein Katalog nachgewiesen werden, weswegen wir auf die Angaben aus Tina Blaus handschriftlichen Aufzeichnungen angewiesen sind.

1899 fand die erste Kollektivausstellung ihrer Werke in Wien statt. Die vom Kunstsalon Pisko organisierte Schau enthielt eine große Auswahl von Werken aller Epochen, die Tina Blau zum Verkauf anbot. Auch diese Ausstellung tourte in der Folge nach Reichenberg, Prag, Berlin, Köln, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Dresden und Breslau.

Im Jahr darauf fand bereits die nächste groß angelegte Verkaufsausstellung in Wien statt, diesmal in Form einer Auktionsausstellung durchgeführt vom Auktionshaus S. Kende mit einhundert Werken.

1903 fand erneut eine Kollektivausstellung bei Pisko statt, die in der Folge als Wanderausstellung durch etliche deutsche und österreichische Städte tourte. Im Jahr 1908 übernahm die Wiener Galerie Arnot die Hauptvertretung von Tina Blau und zeigte 1909 und 1914 weitere große Kollektivausstellungen. Auch diese waren von Wanderausstellungen in fast allen großen Städten Deutschlands begleitet. Außer an Wiener Galeristen sandte Tina Blau auch vereinzelt direkt an ausländische Kunsthändler, z. B. an Wallis in London, wo u. a. die Ansicht des Forum Romanums mit Titusbogen verkauft wurde, oder an Emil Richter in Dresden.

Während die Kollektivausstellungen hauptsächlich Studien und kleinere Arbeiten umfassten, schickte Tina Blau die in ihren Augen besten Werke für gewöhnlich zu den großen Jahresausstellungen des Wiener Künstlerhauses und der Münchner Künstlergenossenschaft im Glaspalast sowie zu den großen Weltausstellungen. 1883 und 1884 nahm sie am Pariser Salon teil. Auch die in diesen Ausstellungen gezeigten Hauptwerke wurden häufig zu verschiedenen weiteren Ausstellungen gesandt, sofern sie nicht gleich verkauft wurden.


Sammlungen

Der wohl wichtigste Mäzen Tina Blaus war ab Mitte der 1870er-Jahre der Kunstsammler Friedrich Wilhelm Crone, der als Privatier abwechselnd in Wien, München und Tutzing am Starnberger See lebte. Crone war nicht nur der erste Besitzer des Hauptwerks Frühling im Prater, er besaß mit Apriltag im Prater, Canal bei Amsterdam, Feldblumen u. a. auch eine Reihe weiterer wichtiger Bilder von Tina Blau.

Die wohl prestigeträchtigsten Ankäufe tätigte jedoch Kaiser Franz Joseph I., der 1885 und 1901 zwei wichtige Gemälde für seine Privatsammlung kaufte. Auch Erzherzog Rainer und Erzherzog Ludwig Viktor besaßen Werke der Künstlerin. Prinzregent Luitpold von Bayern erwarb aus den Ausstellungen im Münchner Glaspalast nicht weniger als fünf wichtige Gemälde. Tina Blau war mir dem Prinzregenten und seiner Familie persönlich bekannt. Heinrich Lang war seit seiner Teilnahme am Deutsch-Französischen Krieg als Schlachtenmaler mit dem Prinzregenten befreundet.

Eine ganze Reihe von Bildern besaß auch die Schulreformerin Toni Landsberg aus Breslau, die mit Tina Blau eng befreundet war. Die Künstlerin schenkte ihr auch einige Bilder und erbte nach dem frühen Tod der Freundin wiederum einen Prachtschrank.[2] In Wien war es zunächst eine Frau Frölich, die sich laut Tina Blaus Werkliste mit Ankäufen hervortat. Später erwarb auch die mit Tina Blau eng befreundete Marie Goldscheid, Künstlerin und Frau des Schriftstellers Rudolf Goldscheid, eine größere Anzahl von Bildern. Als Liebhaber von Tina Blaus Werken zeigte sich auch der Schriftsteller Richard Beer-Hofmann. In seinem Buch Paula erwähnt er, dass Tina Blau eine Jugendfreundin seiner Tante gewesen und das Bildchen der Hofmann’schen Fabrik in Brünn während eines Besuchs der Künstlerin bei ebenjener Tante entstanden sei.[3]

Naturgemäß bildeten sich die größten Sammlungen nach Tina Blaus Tod 1916 aus der Aufteilung des Nachlasses an ihre Erben. Tina Blaus Universalerbin war ihre verwitwete Schwester Flora Roth, jedoch bestimmte sie, dass der künstlerische Nachlass bis zu einem Wert von 20 000 Kronen zu gleichen Teilen unter Flora und ihrem Bruder Dr. Theodor Blau aufgeteilt werden sollte und der darüber hinaus gehende Erlös an Flora allein gehen sollte. Zudem durften die Geschwister Bilder schon vor der Nachlassauktion zum Schätzwert ankaufen, wovon sie offenbar auch weitgehend Gebrauch machten.[4] Der Katalog zur Gedächtnisausstellung 1917 im Wiener Künstlerhaus vermerkt für die meisten der ausgestellten Bilder Theodor und Flora als Besitzer. Der Erbteil Theodors ging nach dessen Tod 1934 an seine Tochter Hilda und deren Mann Arthur Modry über. Während der Flucht der Familie vor den Nationalsozialisten fiel ein großer Teil dieser Sammlung dem Brand eines Lagerhauses in Manila zum Opfer. Dort waren vor allem die größeren Gemälde eingelagert gewesen. Die verbleibenden kleineren Werke und Skizzenbücher verkaufte Modry in den späten 1950er- und frühen 1960er-Jahren im Wiener Dorotheum und an verschiedene Privatpersonen zugunsten seines Sohnes, der sich als Farmer in Australien niedergelassen hatte. Im Besitz seiner Nachkommen befinden sich heute nur noch zwei von Tina Blau gemalte Porträts der Mutter und des Bruders der Künstlerin (Abb. 8 und 9).[5] Modry hatte allerdings noch vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten einen fast kompletten Satz der Fotografien, die Tina Blau zwischen 1910 und 1916 durch Pauline Wolf von ihren Werken hatte anfertigen lassen, an die Kunsthistorikerin Alexandra Ankwicz weitergegeben. Ankwicz plante bereits, ein Werkverzeichnis zu Tina Blau anzulegen, wozu es letztlich jedoch nie kommen sollte. Im Jahr 1963 erwarb schließlich das Belvedere diesen Schatz.[6]

Der andere Teil des Nachlasses gelangte über Flora Roth an deren Töchter Helene und Paula Karoline. Während Helene Roth 1942 dem Holocaust zum Opfer fiel, gelang Paula Karoline Taussig-Roth die Emigration in die USA, wohin sie auch die Werke aus Helenes Besitz in Sicherheit bringen konnte. Im Lauf der Jahrzehnte wurde eine ganze Reihe von Bildern aus diesem Bestand an zumeist österreichische Sammler verkauft, jedoch befinden sich noch immer etliche Bilder und vor allem Archivalien im Besitz der Familie in New York.

Ebenfalls aus dem Nachlass stammt eine höchst interessante Sammlung, die sich zunächst im Besitz der mit Tina Blau befreundeten Malerin Margit Planner befand und später auf deren Tochter Nora Harper überging. Nora Harper lebte mit ihrem Mann in Paris und Mers-les-Bains. Die nach dem Tod des kinderlosen Ehepaars Harper leider zerstückelte Sammlung umfasste neben mindestens 22 Gemälden, wovon der Großteil aus flüchtigen und unfertigen Ölkizzen bestand, und einer Reihe von Zeichnungen auch ein Konvolut von dokumentarischem Material, das einen interessanten Einblick in Tina Blaus Atelier gewährt. Darin befinden sich u. a. die Druckplatten einer Radierung und einer Zinkografie, teils mehrfach vorhandene Belegexemplare von Illustrationen nach ihren Werken aus Zeitschriften etc. Kaum eines der Gemälde ist im Katalog der Nachlassauktion nachweisbar, und nur eines ist in den Mappen mit Fotografien Pauline Wolfs vertreten. Offenbar wurden diese Werke von den Erben als unverkäuflich betrachtet und im Konvolut an Margit Planner weitergegeben.[7] Durch die Auffindung eines Teils dieser Sammlung bekommt Adalbert Franz Seligmanns Bericht der Sichtung des Nachlasses im Atelier nach Tina Blaus Tod im Jahr 1916 einen greifbaren Nachweis: „Sie mag aber doch eine Ahnung davon gehabt haben, daß es einmal plötzlich mit ihr zu Ende gehen könne, denn sie begann ihre Skizzen, Zeichnungen und Studien aus alter und neuer Zeit zu ordnen, hie und da mit Aufschriften zu versehen und sorgfältig in die großen Laden eines Atelierschrankes einzureihen. Als wir – die beiden Nichten der Dahingeschiedenen und der Schreiber dieser Zeilen – uns daran machten, diesen Nachlaß auszubreiten und zu übersehen, wurde uns erst klar, wieviel die merkwürdige Frau geleistet und geschaffen hat. Eine unübersehbare Fülle von Blättern und Blättchen, Leinwanden, Pappe- und Holztäfelchen, zum größeren Teil Arbeiten, die man als vollendete bezeichnen kann, daneben freilich auch vieles Fragmentarische, Begonnene, Notizenhafte, quoll aus diesen Laden hervor; Kinderzeichnungen, erste Versuche, Malereien, die an Gauermann, Raffalt und andere Alt-Wiener erinnern; dann schon solche, die Zeichen einer selbständigen Auffassung tragen, bis sich die eigentliche Begabung in voller Blüte zeigt. Unter den zahllosen Stücken kleinen und kleinsten Formats, es dürften mehrere Hundert sein, findet sich vieles geradezu Meisterhafte.“[8]

Es ist davon auszugehen, dass ursprünglich noch weitaus mehr solcher unvollendeten kleinen und kleinsten Gemälde und Studien vorhanden gewesen sein mussten und vielleicht noch der neuerlichen Entdeckung harren. Schon die vorhandenen Beispiele erlauben einen völlig neuen Blick auf Tina Blaus Arbeitsweise und Gewohnheiten.


Anmerkungen

[1] Tobias G. Natter, „Tina Blau. Ein Leben im Schatten des Doppeladlers“, in: ders. (Hg.), Plein Air. Die Landschaftsmalerin Tina Blau (Ausst.-Kat. Jüdisches Museum der Stadt Wien), Wien 1996, S. 121–134; Heinz Schöny, „Zum Leben von Tina Blau“, in: Tina Blau. 1845–1916. Eine Wiener Malerin (Ausst.-Kat. Belvedere, Wien), Wien 1971, S. 9–16; Zdrawka Ebenstein, „Zum Werk von Tina Blau“, in: ebd., S. 17–22; Annelie Roser-De Palma, Die Landschaftsmalerin Tina Blau, Diss. Wien 1971.
[2] Verlassenschaftsabhandlung Tina Blau, 1916–1918, Wiener Stadt- und Landesarchiv, Sign. 3.1.4.A1.B24.1, Blatt 15.
[3] Richard Beer-Hofmann, Paula, zit. nach Tina Blau 1971 (wie Anm. 1), S. 7. Beer-Hofmanns Tochter Miriam Lenz-Beer-Hofmann schenkte das Bild des Fabrikshofs in den 1980er-Jahren dem Österreichischen Jüdischen Museum in Eisenstadt. Weitere Bilder Tina Blaus hatte sie schon zuvor dem Wien Museum überlassen.
[4] Abschrift des Testaments Tina Blaus vom 20. März 1904, in: Verlassenschaftsabhandlung Tina Blau, 1916–1918, Wiener Stadt- und Landesarchiv, Sign. 3.1.4.A1.B24.1.
[5] Bei den Nachkommen befinden sich noch Briefe, in denen Arthur Modry seinem Sohn vom Verkauf der verbliebenen Bilder berichtet. Darüber hinaus sind in diesem Zweig der Familie keine Archivalien zu Tina Blau mehr vorhanden.
[6] Die Fotografien sind fein säuberlich beschnitten auf festes Papier aufgeklebt, die Darstellungen von Tina Blau (?) eigenhändig signiert, bezeichnet und datiert. Das Ganze ist nochmals auf dunkelgrünen oder braunen Karton kaschiert. Neben den Mappen des Belvedere gibt es noch vereinzelte Blätter im Tina-Blau-Archiv und in einer Wiener Privatsammlung. Eine Mappe mit 26 teilweise mit Farbstift handkolorierten Blättern aus unbekannter Quelle befindet sich im Bildarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek. Daher ist davon auszugehen, dass ursprünglich mindestens zwei Sätze angelegt wurden. Im Bestand der ehemaligen Sammlung Nora Harper sind darüber hinaus noch zwei originale, unbeschnittene und unkaschierte Papierabzüge erhalten.
[7] Die Auflistung des künstlerischen Nachlasses Tina Blaus in der Verlassenschaftsabhandlung nennt mehrere Konvolute, darunter „eine Partie von angefangenen Skizzen als Bilder unverkäuflich“, die zum Wert der Leinwände und Malbretter geschätzt wurde, oder eine Kastenschublade mit „126 unaufgezogenen Ölskizzen aus der frühesten Zeit der Künstlerin“ mit einem Schätzwert von insgesamt 1 260 Kronen (Verlassenschaftsabhandlung Tina Blau, 1916–1918, Wiener Stadt- und Landesarchiv, Sign. 3.1.4.A1.B24.1, Blatt 33).
[8] A. F. Seligmann, „Tina Blau. Ein letzter Besuch“, in: Neue Freie Presse, 10. November 1916, S. 3.